Aug 6, 2014

Schöne Grüße aus Bangladesch

Artikel in der Süddeutschen Zeitung Magazin vom 25. April 2014
Das Bild stammt aus der Süddeutschen Zeitung Magazin vom 25. April 2014

Vor einiger Zeit wurde die Öffentlichkeit durch unschöne Geschichten aus den Fabriken der Drittländer erschüttelt, wo unsere Kleidung produziert wird. Es gab etwas aus China und aus Indien und heute möchte ich meinen Senf dazu geben und zwar aus Bangladesch.


Ich habe noch während meiner Examensvorbereitung einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung Magazin vom 25. April 2014 entdeckt. Habt ihr das auch gelesen? Da geht es um die Textilindustrie in Bangladesch, um die miesesten Arbeitsbedingungen, Schmerzen über den Verlust der Angehörigen beim Einsturz einer Näherei und um uns  – den Westen. Wir möchten alles haben, aber dafür nur weniger zahlen.

Ich war von dieser Geschichte aus Bangladesch sehr mitgenommen. Das brachte mich dazu zu überlegen, wie ich zum Konsum der billigen Kleidungsstücke stehe. Ob ich solche Sachen auch kaufe? Oder wann ist genug? Oder wie war das in meiner Familie vor vielen Jahren, wenn die Kleidung 3 Mal im Jahr gekauft wurde: zum Geburtstag, zum Jahres- und Schulanfang?

Meine Oma hat als Teenager den zweiten Weltkrieg überlebt und seitdem pflegte sie ihre Kleidungsstücke sehr sorgfältig. Sie hatte einen sehr großen Einfluss auf meine Erziehung und hat mir beigebracht, wie man die Kleidung schätzt, pflegt, die Löcher stopft, umnäht und nicht sofort alles wegschmeißt und beim Kaufen genau überlegt – ob man das überhaupt braucht. 

Als Kind habe ich zwar mitgemacht, habe aber nicht immer verstanden, wieso ich dies mal doch nicht auch dieses rosa Röckchen made in China kaufen dürfte. Oder warum bekomme ich meine Kleidung nur 3 Mal im Jahr und nicht öfter. Nach so vielen Jahren habe ich jedoch die Angewohnheit beibehalten – die Kleidung zu schätzen, zu pflegen, wählerisch zu kaufen und nicht sofort aufzugeben, wenn ein Loch von der Seite ins Auge sticht... Zwar gehe ich derzeit mindestens 3 Mal im Monat einkaufen, dennoch tue ich das sehr wählerisch.

Meine nächste Begegnung mit dem Thema des Konsums war auf dem Blog von Claire c'est clairette. Sie hat uns Leser auf das Thema des unersättlichen Konsums und auf "zu welchem Preis wirklich bekommen wir ein T-Shirt von XXXMarkt" – aufmerksam gemacht. Claire hat außerdem den Boykott aufgerufen, bei diesen namhaften Ketten, die die Kleidung unter anderen in Bangladesh produzieren, nichts zu kaufen. 

Als ich das gelesen habe, dachte ich bloß: woher weiß ich, dass das Kleidungsstück, wofür ich 50 Euro mehr ausgebe, auch nicht in Bangladesch unter den schlechtesten Bedingungen genährt wurde. Die Antwort darauf – ich weiß es nicht. Das Preisschild gibt keine Auskunft darüber, ob der Mensch, der am Ende der Welt das Kleidungsstück genäht hat, doch mehr Lohn dafür als sonst bekommen hat, oder, ob er vielleicht unter den besseren Bedingungen gearbeitet hat. 

Andererseits haben viele Frauen in Bangladesch auf dieser Weise einen Beruf und Einkommen, können davon leben und ihre Familien finanziell unterstützen. Sie werden selbstständiger und unabhängiger. Dennoch geht es etwas in der Kette schief. Der Käufer möchte die Kleidung so günstig wie möglich haben, der Auftragsgeber möchte Profit um jeden Preis machen, die Besitzer der Fabriken auch. Und wenn etwas schief läuft - wie in Bangladesch - bleibt am Ende diese Näherin oder dieser Näher schutzlos da. Ohne Arbeit, ohne Geld und, nur wenn sie Glück haben, gesund. Dabei darf man nicht alles auf die Regierung des jeweiligen Landes schieben. Die Auftragsgeber tragen die Verantwortung, indem sie die Preise für die Produktion festlegen oder so niedrig wie möglich verhandeln. Die Verbraucher tragen die Verantwortung, indem sie die Billigproduktion konsumieren.

Darüber reden, schreiben und diskutieren könnte vielleicht helfen, den kleinen Menschen am Ende der Kette zu schützen. Und wenn wir nächstes Mal ein Kleidungsstück für 5 Euro in einem Laden kaufen, sollen wir vielleicht überlegen, ob wir es wirklich brauchen und damit möglicherweise die Ausbeutung eines Menschen unterstützen. 

P.S. Sorry guys, today German only. Please, use the translation.

5 comments

  1. I appreciate you stopping by :)

    ReplyDelete
  2. Ich finde dieses Argument "Na, wenn ich nichts kaufe, dann haben die dort gar keine Arbeit" das ich schon häufiger gehört habe sehr selbstgerecht. Wenn die Frauen, Kinder und Männer nicht 20 Stunden am Tag in einer Fabrikhalle eingesperrt wären, dann könnten sie eventuell ein Feld bestellen, eigene Produkte auf Märkten verkaufen, und somit im Endeffekt eine funktionierende Wirtschaft in ihrem eigenen Land aufbauen ohne von den großen internationalen Konzernen abhängig zu sein, die sie ausbeuten.
    Stattdessen sitzen sie in Fabrikhallen ohne Fenster und ordentliche Belüftungssysteme, sind häufig eingesperrt und wohnen neben der Fabrik in Wellblechhütten.
    Ich war in Indien, ich habe das gesehen, nur damit wir uns jede Woche ein neues Shirt kaufen können.

    Ein trauriges Thema. Aber gut, dass du darüber schreibst, es kann nicht oft genug zur Sprache gebracht werden. Hoffentlich schaffen es mehr Menschen ihr Konsumverhalten in Frage zu stellen und fangen an sich Gedanken darüber zu machen, welchen Preis wir dafür zahlen in unserer Fashion-geilen Wegwerfgesellschaft zu leben.

    <3 Lisa

    ReplyDelete
    Replies
    1. Liebe Lisa,

      vielen Dank für deine Meinung!

      Es gibt bestimmt mehrere Aspekte bei dieser Problematik. Ich weiß es nicht, wie es in Indien oder Bangladesch mit der Landwirtschaft aussieht, dennoch kann ich mir sehr gut vorstellen, dass auch in diesem Bereich für die kleinen Bauer nicht leicht ist.

      Nix zu kaufen, ist keine Lösung. Nach meiner Ansicht sollte zuerst in den Köpfen der Menschen etwas passieren, eine neue Denkweise. Erst danach kommt ein anderer Umgang mit dem Konsum. Ich plädiere auf wählerisch zu sein.

      Liebe Grüße aus Frankfurt,
      Xenia

      Delete
  3. ich muss mich anschließen. wirklich ein trauriges thema. deswegen finde ich es umso besser, dass du ein solches thema wie konsum und seine folgen hier aufgreifst. vor allem in der heutigen zeit sollte man viel bewusster damit umgehen, für was man sein geld ausgibt.

    meine mutter hat mir auch die liebe zur kleidung mitgegeben. dass man immer zweimal nachdenken sollte, bevor man sich etwas neues kauft und seine bereits vorhandene kleidung mehr schätzt.
    außerdem ist es auch immer so, dass der eigene kleiderschrank viel mehr herzugeben vermag als man es vielleicht vermuten könnte. das sollte man sich immer bewusst machen.

    mein tipp, neben dem nachdenken natürlich, ist es, seinen kleiderschrank nach farben zu ordnen. und auch generell für ordnung zu sorgen.

    solche seiten wie kleiderkreisel.de und natürlich der traditionelle flohmarkt sind auch gute orte, um bewusst kleidung einzukaufen.

    liebe grüße
    dahi

    ReplyDelete
    Replies
    1. Liebe Dahi,

      richtig, schätzen das, was man bereits hat. Und hier helfen die unterschiedlichen Methoden - sei es nach den Farben oder Kleidungsstücken sortieren, nicht alles sofort wegschmeißen - sondern weiterverkaufen, in die Kleidung mit der guten Qualität investieren usw.

      LG, Xenia

      Delete

Thanx a lot for your comments, ladies and gents!

© l & f eMaira Gall